Kartenwahn

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Karten hier, Karten da. Ohne diese Karte kann ich nicht mehr Kompetitiv spielen, ich brauch die Karte im Original für das kommende Turnier. Verkaufe Upgrade Karte für 25€….

So, oder so ähnlich geistert es derzeit durch Foren und Social Networks.

Ich möchte euch heute einmal anhand meiner gespielten Systeme den Umgang mit Einheiten-, Ausrüstungs-, Upgrade- und Ergänzungskarten der einzelnen Hersteller und meine Meinung dazu nahelegen. Ohne jetzt ein allgemeines PRO und CONTRA für alle Systeme finden zu wollen. 

Vorab einmal die von mir gespielten und bekannten Systeme mit Karten

  • Freebooter‘s Fate
  • X-Wing
  • Star Wars Legion
  • Age of Sigmar
  • Warhammer 40k 
  • The Walking Dead All Out War 

Einheiten- und Upgradekarten

Es gibt Systeme die haben ihre Regeln und Werte für Einheiten und Charaktere ausschließlich in Regel- bzw.-. Armeebüchern, andere wiederum liefern die Werte und Regeln der Einheiten auf Karten oder kostenlosen PDF-Downloads. Die Art und Weise ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich:

Freebooter’s Fate – Freebooterminiatures

Bei Freebooter’s Fate gibt es zu jeder Miniatur die passende Charakterkarte mit allen Werten und Sonderregeln, die benötigt werden. Neue Regeln oder Charakterspezifische Regeln werden mitgeliefert. Bereits bekannte oder bereits veröffentlichte Regeln nur benannt.

Bis vor kurzem musste man meist mehrere Bücher besitzen um die Regeln nachschlagen zu können. Als Service haben die Freibeuter allerdings nun ein ständig aktualisiertes Regelkompendium veröffentlicht, in dem die Sonderregeln jeder Miniatur aufgelistet sind, damit man dort nachschlagen kann.

Insofern hält sich der Kartenwahn für Einheiten bei Freebooter’s Fate in Grenzen. Zudem findet man jede Charakterkarte, deren Sonderregeln und Erklärungen samt Fluff in den dazugehörigen Büchern von Freebooterminiatures.

Es gibt bisher ein Ausrüstungskarttenset für Charaktere und eines für Boote um seien Mannschaft mit Ausrüstung auszustatten. Nicht jede Fraktion kann sich jede Ausrüstung aneignen, jedoch gibt es genug Ausrüstungsoptionen in dem Set, so dass alle bedient sind.

Weitere Kartensysteme wie die Loa-Anrufung und Battles sind optionale Spielkarten und nicht zwingend erforderlich. Zudem benötigt man zum Spielen an sich nur ein Kartenset und nicht jeder sein eigenes.

X-Wing – FantasyFlightGames, Asmodee, Heidelberger

Bei X-Wing bekommen wir mit jeder Erweiterung neue Piloten- und Upgradekarten gestellt. Die Pilotenkarten und manche Upgradekarten sind Fraktions- oder gar Schiffspezifisch. Jedoch gibt es Upgradekarten, die Fraktions- und Schiffsübergreifend genutzt werden können (sofern das verwendete Schiff den Upgrade Slot besitzt), was – gerade für Turnierspieler – nur aufgrund der Karte zu einem Pflichtkauf wird. Denn auf den meisten Turnieren sind nur Original FFG Karten erlaubt und somit wird man – in der Turnierszene – meist gezwungen jedes Schiff einmal zu besitzen.

Beispiel Jumpmaster 2000 von Scum and Villainy: Dies ist das bisher einzige Schiff mit dem Upgradekarten Attanii Mindlink, welche bis zum Errata, auch mehr als 2-mal benötigt wurden so dass etliche Spieler dieses Schiff 2-3-mal besitzen. Zugegeben nicht nur aufgrund dieser Upgradekarten, jedoch wollte ein Scum Spieler eine Attanii Liste spielen, war er gezwungen dieses Schiff mindestens 1-mal zu kaufen.

Ärgerlich an dem ganzen Kartenwust ist, dass das regelmäßig erscheinende Errata bis heute sogar ganze Kartentexte ersetzt und sich die Spieler dann nun über manche Käufe ärgern. O.g. Beispiel Attanii Mindlink ist nun auf 2 pro Staffel limitiert, und der Jumpmaster hat Upgrade Slots verloren – zum Ärgernis vieler Spieler jedoch gewollt um das Meta der Turnierszene so gut es geht ausgeglichen zu halten bzw. um überstarke Schiffe zu beschneiden.

SW Legion – FantasyFlightGames, Asmodee, Heidelberger

Noch nicht erschienen, aber ebenfalls ein Star Wars Spiel aus dem Hause FFG, wo die Spieler schon die Befürchtung haben, dass sich der X-Wing Trend hier fortsetzen könnte. Beruhigend war dann eine Mail von Asmodee auf meine Frage hin, ob wir gleiches erleben wie bei X-Wing und wodurch sich Beispielsweise die Erweiterungsbox der Sturmtruppler von denen in dem Core Set unterscheiden würden.

Die Antwort stimmte mich positive, denn ja – es werden in den Erweiterungsboxen mehr Upgradekarten als im Core Set dabei sein, jedoch sollen diese Fraktionsspezifisch sein, so dass Rebellenspieler nicht genötigt werden Sturmtruppler zu kaufen und umgekehrt.

Ansonsten wird es auch hier – ähnlich wie bei X-Wing – Einheiten- und Upgradekarten geben

Vorteil, neue Einheiten können so problemlos eingeführt werden ohne im Buch zu fehlen – alternativ: alle Einheiten müssen stehen und nach und nach released werden. Wenn DANN neue Einheiten = Neues Buch

Age of Sigmar – Games Workshop

Es begann bei der Umstellung mit kostenlosen Fraktionskompendiun mit Einheitenwerten und Sonderregeln. Nach und nach erschienen dann die sogenannten Battletomes mit Regeln, Fluff und Szenarien sowie Punktwerten für das „Ausgewogene Spiel“ (Das altbekannte 1000 vs. 1000 Punkte Ding).

Allerdings erratierte GW diese Regeln und Ändert Formulierungen, so dass die Regeln in den Büchern relativ schnell teilweise nicht mehr korrekt sind. Hierzu hat GW bei AoS sogar im Shop zu jeder Einheit deren Charakterkarte aktualisiert zum Download bereit.

Bis zur nächsten überarbeiteten Fassung des Battletomes kann man sich dann mit der kostenlosen PDF-Alternative behelfen oder wagt den Digitalen Schritt und besorgt sich die App – welche laut meinen Informationen auch nur wie ein Battletome genutzt werden kann sofern man dafür zahlt? Korrigiert mich sollte ich falsch liegen, aber ich bin eher der Bücherliebhaber 😉

Schön ist es natürlich bei diese nun auch erschienenen Kartensets, dass man nicht immer den dicken Wälzer aufschlagen und darin suchen muss, sondern dass man die gespielten Einheitenkarten einfach auf den Tisch legen und bei Verlust der Einheit von Tisch entfernen kann. Das verleiht eine gewisse Übersicht über die Einheiten und spart Zeit die man mit Blättern verschwendet.

Warhammer 40K – Games Workshop

Bisher geht 40k fast denselben Weg wie AoS, außer, dass die Einheitenkarten nicht online frei downloadbar sind, denn diese bekommen wir nur über die Indizies oder Codizies der Fraktionen, welche allerdings auch Erratiert werden und wohl nach geraumer Zeit wieder einer Aktualisierung bedürfen.

Games Workshop hat es allerdings relativ elegant gelöst: Bei AoS gibt es jährlich ein neues Generals Handbook, welches nicht nur neue und upgedatete Punktkosten beinhaltet sondern mehr Fluff und Szenarien. Also man bezahlt nicht die Euros für 4-5 interessante Seiten, sondern bekommt noch etwas Zugabe dafür.

The Walking Dead: All Out War – Mantic Games

Jeder Erweiterung liegen die benötigten Charakterkarten und Ausrüstungsgegenstände bei. Da ich stolzer Besitzer von… allem bin bei TWD… kann ich aus dem Vollen schöpfen was Ausrüstungen und unterschiedliche Charakterkarten anbelangt. Denn Mantic springt teilweise auf den Zug von FFG auf und versteckt Charakterkarten in Blistern anderer Charaktere. Also um Quasi die 4. Karte von Rick Grimes zu bekommen muss ich den Booster von XY kaufen. Um an den Sielender zu kommen brauch ich den Booster von Glenn, usw.

Mich tangiert das weniger, weil ich eh alles ordere was TWD von Mantic ist, allerdings denke ich da an die Gelegenheitsspieler, welche gerne eine schlagfertige aufbauen wollen und sich nicht extra ein Charakter für Karte X kaufen wollen.

Pay-to-Win?

Meines Erachtens negativ ist die Entwicklung – bei X-Wing und schon teilweise bei TWD – hin zu einem Pay-to-Win Systems. Und zwar für die gefährliche Konbination/Liste die ich spielen will, benötige ich nicht nur die Blister der gespielten Schiffe/Charaktere sondern zusätzlich noch 1-3 weitere Blister mi Schiffen/Charakteren, die mich eventuell gar nicht interessieren.

Ich habe da Verständnis für die Hersteller, die somit ihren Umsatz ankurbeln, allerdings ist dies für den Kunden teilweise echt lästig und geht ordentlich ins Geld

Den Weg den FFG bei SW Legion einschlagen will, das nur Fraktionsweise Upgradekarten veröffentlicht werden , also Fraktionsspezifische und nicht übergreifende Upgradekarten, finde ich einen guten Weg mehr Umsatz zu generieren jedoch den Kunden nicht arg zu verärgern.

Karte weg – Support?

Was nun? Nachordern, Ersatz, Kopie? Gratisdownload? Diese Frage ist berechtigt, denn habe ich die Werte der Einheit nicht in einem Buch zur Verfügung wie bei Warhammer, Age of Sigmar und Freebooter’s Fate, steh ich als TWD und X-Wing Spieler wie Ochs vorm Berge und mir fehlt Karte XY.

Bei FFG bzw. Heidelberger habe 1-mal eine Karte gegen Vorzeigen den Bon eine Ersatzkarte bekommen, danach nie wieder.

Bei TWD bin ich mir nicht sicher, allerdings warn sie bei fehlgepackten Kickstartern schnell dabei und haben kostenlos die richtigen Karten nachgeschickt. Insofern fehlt mir bei Mantic die Erfahrung und bei FFG bzw. Heidelberger oder Asmodee momentan das Feedback (Habe „Draufgänger“ verloren und erhalten keine Rückmeldung.

Mein Fazit

Prinzipiell finde ich Karten als Spielhilfe super. Auch das Deck Building wie bei TWD und X-Wing, gefällt mir außerordentlich gut.

Ich habe auch keine Probleme meine Deathguardwerte aus dem Buch zu fischen, da wären mir zusätzliche Einheitenkarten ein nettes Gimmick, aber wirklich brauchen tu ich sie nicht.

Lästig finde ich nur schnell erratierte bzw. komplette Änderungen von Kartentexten wie bei X-Wing. Ja klar, dies dient dem Ausgleich des Metas (Sagt man das so?), aber Leute, dann doch lieber einmal einen Rutsch überarbeitete Karten für ein paar Euronen, als dauernd die Texte anpassen, weil man beim Regeldesign nicht alles beachtet hat?!

Bei X-Wing zum Beispiel ist die Anzahl an Karten derweil so groß, dass ich Staffeln ohne die kostenlosen Onlinebuilder kaum noch flott zusammengestellt bekomme. Das Zusammenstellen einer Liste anhand durchforsten des Kartendschungels ist für mich ein nervenaufreibendes Unterfangen. Sogar das generieren der Liste online und nur das heraussuchen der benötigten Karten frisst unheimlich viel Zeit mittlerweile, was sich bei TWD noch in Grenzen hält, allerdings mit jeder hinzugekommener Welle steigern dürfte.

Jeder wird da seine eigene Meinung zu haben und nicht jede Firma wird es allen Kunden recht machen können. Wie ist jedoch eure Meinung zu den hier aufgelisteten Systemen? Kennt ihr ähnliche nicht genannte Systeme mit Kartensalat oder kennt ihr Beispiele wie es perfekt läuft?

Ich würde mich über eine konstruktive Kritik/Diskussion freuen.

 

SicRat

Über den Autor SicRat

Gründer / Admin von www.tablepott.de und des Blogs. Redakteur und Hobbyist. Systeme: | Freebooters Fate Mannschaften: Bruderschaft, OLHG, Piraten | | X-Wing: Rebellen, Imperium, Scum | Age of Sigmar: Khorne Bloodbound | WH40k: Death Guard | The Walking Dead: All Out War

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SicRat

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Ein Gedanke zu „Kartenwahn

  • 24. Januar 2018 um 18:26
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    Pay to win. Dieser moderne Ausdruck beschreibt es eigentlich ganz gut. Dieses Verkaufsmodell, dass bekanntlich aus der Computerspielindustrie kommt, und dort, wenn ich mich richtig erinnere, erstmalig bei Free to Play Titeln aufkam, hält nun schon länger seinen Einzug in unserem Nischenhobby, ob nun bei Tabletops oder Boardgames. Ich glaube tatsächlich das FFG damals mit X-Wing eins der ersten Unternehmen war, wo dieses Modell in dieser Art und Weise in der analogen Spielewelt erfolgreich oder gar überhaupt umgesetzt wurde.

    Anfangs im freudetrunkenen Taumel über X-Wing habe ich das alles noch brav so hingenommen und gehörte auch zu den Spielern, die sich jedes Schiff mehrfach für die Sammlung oder zum Spielen gekauft haben. Ich nenne beispielsweise sechs Tie Interceptoren mein Eigen, wobei ich noch nie mehr als zwei auf einmal gespielt habe. So geht es mir mittlerweile mit vielen X-Wing Schiffen. Meine Devise war damals: Haben ist besser als brauchen. Spätestens mit der Einführung von „Scum and Villainy“ ließ dieses irrationale Kaufverhalten aber stetig nach. Mittlerweile kaufe ich mir fast ausschließlich nur noch Rebellenschiffe, wenn ich mir überhaupt etwas kaufe, und leihe mir ggf Karten von Freunden für Turniere.

    Ich selbst möchte diesen Kaufwahn nicht mehr derart unterstützen wie einst, zum einen, da ich eh nicht alles spiele, weil nicht genug Zeit oder kein Interesse an Schiff XY, desweiteren da ich in Sachen X-Wing eh kürzer trete und zum anderen da mir das einfach auf Dauer zu kostspielig wird und das nicht erst seit der Preiserhöhung bei FFG / Heidelbären / Asmodee.

    Deinen Einwand kostenpflichtige Kartensets mit erratierten Upgradekarten etc herauszubringen, den finde ich gut und so etwas haben wir im Bekanntenkreis in der Vergangeheit wiederholt auch zur Genüge diskutiert, aber aus unternehmerischer Sicht, macht dies wohl leider wenig Sinn. Ein solches Kartensets würde den Absatz von Schiffen vermutlich mindern. Es ist dann wohl lukrativer irgendwann die erratierte Karte in Schiffset XY zu packen und die Spielerschaft kauft sich dann dieses Schiff zwei-, drei- oder viermal. Dem Umsatz von vielleicht 12 Euro steht dann ein möglicher Umsatz von 72 Euro oder so gegenüber.

    Bei Brettspielen habe ich das Gefühl, dass es sich in eine ähnliche Richtung entwickelt, auch wenn es sich anders äußert. Es gibt Brettspiele für vier Spieler, wenn man es jedoch mit mehr Spielern spielen möchte, dann benötigt man Erweiterung XY, damit auch fünf oder mehr Spieler damit Spaß haben können. Bei Dungeoncrawlern wie Imperial Assault verhält es sich ähnlich wie bei X-Wing. Dann gibt es Legacy Spiele, die spielst du einmal und dann hat es sich damit erledigt. Wenn man es nochmal spielen möchte, dann muss man sich ein Erweiterungspack mit neuen Missionen oder ähnlichem kaufen (z.B. Time Stories). Also quasi die DLCs der analogen Spielewelt.

    Ich persönlich mag diese Entwicklung aktuell nicht, aber vielleicht ist dies in zwei oder drei Jahren Usus und dann habe ich mich daran gewöhnt und partizipiere marktwirtschaftlich als Konsument wieder voll mit. Bis dahin kaufe ich mir nur das worauf ich wirklich Bock habe.

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