WYSIWYG – „What You See Is What You Get“ im Bereich TableTop

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Heute widme ich mich mal einem Thema, welches immer wieder aufkommt und vor kurzem auf Facebook heiß diskutiert wurde:

WYSIWYG – What you see is what you get

Dieser Artikel soll sich mit den unterschiedlichen Auffassungen von WYSIWYG und den Auswirkungen befassen, gemessen an den Reaktionen und angewandt auf verschiedenste Systeme.

Was bedeutet eigentlich WYSIWYG?

Sind deine Modelle WYSIWYG oder proxt du? Was sich für Außenstehende wie eine Fremdsprache anhören mag, ist für uns TableTop Affinen Standard Vokabular, aber was bedeutet das denn nun eigentlich?

WYSIWYG [ˈwɪziwɪg] ist das Akronym für den Grundgedanken „What You See Is What You Get“ (englisch für „Was du siehst, ist [das], was du bekommst.“) – auch als Echtbilddarstellung bekannt…
Quelle: Wikipedia

In der TableTop-Welt bedeutet dies kurzum: Das, was auf dem Tisch steht, das was du an der Miniatur oder dem Fahrzeug erkennst, damit spiele ich/damit ist die Miniatur ausgestattet.

Vor- und Nachteile von WYSIWYG?

Ein klarer Vorteil von WYSIWYG ist die optisch erkennbare Bewaffnung der Miniaturen bzw. der klar erkennbare Einheiten- und Waffentyp und die daraus erkennbaren Regeln. Wenn euch eine Einheit Primaris Space Marines mit Boltern entgegenstürmt, könnt ihr also davon ausgehen, dass es sich um Primaris Space Marines mit Boltern handelt. Ihr kennt also die Profilwerte (oder könnt sie erfragen, sollten sie euch nicht geläufig sein) und die Reichweite und den Schadensoutput der Bewaffnung, sowie etwaige Sonderregeln.

Es besteht also keine Verwechslungsgefahr und ihr müsst nicht andauernd umdenken: Denke dran, die beiden Plasmawerfer sind eigentlich Melter und der Captain ist ein normaler Primaris Space Marine, und der Space Wolve auf Wolf ist eigentlich ein marine auf Bike….

Ihr erkennt also das offensichtliche Bedrohungspotential, welches auf euch zu marschiert.

Dadurch könnt ihr leichter taktieren ohne umzudenken und euch entgehen taktische Fehler aufgrund der optischen Täuschungen, der Proxies!

Nachteile sind je nach Hersteller und System unterschiedlich. Branchenprimus Games Workshop mit ihrem Systemen Age of Sigmar und vor allem Warhammer 40k sind bei der WYSIWYG Diskussion weit vorne und steht’s im Mittelpunkt. Hier müssen wir die jeweiligen Verkaufs- und Vermarktungsstrategien beachten.

Gerade bei Warhammer 40k und vielen Standard Einheiten mit mehreren Bewaffnungsoptionen, sind die Spieler an die vom Hersteller angebotenen Boxen und den darin befindlichen Gußrahmen gebunden. Hat also ein 5er Trupp Blightlord Terminatoren der Death Guard die Möglichkeit jeder einen Multi-Melter zu tragen, aber es befinden sich nur je ein Multi-Melter in der Box, so wird er genötigt sich die Box mehrfach zu ordern, Bits zu tauschen oder in einen der Bitsshops zu erwerben, Bits von Fremdanbietern zu kaufen, auf diese Art der Bewaffnung zu verzichten und mit dem Gegebenen auszukommen oder schlichtweg zu proxen .

Allerdings kann das WYSIWYG soweit gehen, dass das Urheberrecht, durch abgießen und reproduzieren gering vorhandener Bits, verletzt wird. Erste heiße Diskussionen in den Foren und auf Facebook  rund um die Reproduzierung schlugen schnell große Wellen, das Hobby würde dadurch zerstört und Firmen geschädigt werden, allerdings ist dies ein anderes Thema, welches einen eigenen Blog-Beitrag verdient hätte.

Und was ist dieses proxen?

Mit „Proxen“ bezeichnet man im Bereich des Tabletops das Ersetzen einer Spielminiatur durch eine andere oder einen anderen Gegenstand (im Extremfall), welche dann spieltechnisch die Werte der ursprünglichen Miniatur übernimmt.

Allerdings bezieht sich das proxen nicht nur auf die gesamte Spielfigur, sondern auch auf Figurenteile wie z.Bsp. die Bewaffnung oder Ausrüstung. Es gibt hier unterschiedliche „Prox-Grade“:

Und hier gibt es auch gravierende Schwankungen:

  • Bei dem einen sollen Miniaturen mit zwei Handwaffen Miniaturen mit einer Zweihandwaffe darstellen,
  • bei einem anderen wiederum sollen zwei Modelle mit derselben Plasmawaffe allerdings Modelle mit normalen Boltern darstellen,
  • wiederum ist der Melter der Helbrute in diesem Spiel doch eine Twinlasercannon…
  • oder die Keksdose ein Rhino

Vor- und Nachteile vom proxen?

Wenn man es sich leicht macht, könnte man sagen die Vorteile vom WYSIWYG wären die Nachteile beim Proxen und umgekehrt.

Durch das Proxen von Miniaturen und/oder Ausrüstung, ist dem Gegen-/Mitspieler nicht sofort ersichtlich, was oder wen er da vor sich hat und welche Einsatzmöglichkeiten sowie Schadensoutput dieses Modell/diese Einheit haben.

Dadurch kann es schnell zu falscher Anwendung von Regeln kommen (dass man auf einmal die Werte der geproxten Mini nimmt anstatt der Werte der Mini, welche sie eigentlich darstellt).

Dein gegenüber wird nicht mit bloßem Auge erkennen können, welche Reichweite die Bewaffnung der geproxten Mini hat, oder gar welche Sonderregeln die geproxte Mini hat.

Dadurch können sich natürlich taktische Spielfehler ergeben indem man das Bedrohungspotential der geproxten Minis anhand der Optik einschätzt und nicht anhand der Regeln der geproxten Modelle/Bewaffnung/Einheit. So kann beim Angriff die Anzahl der Attacken und die Auswirkung des Abwehrfeuers bei Warhammer 40k verheerender enden, als gedacht. „Ach ja, sorry, die Seuchenmarines haben ja 2 Seuchenspucker und gar keine Pestwerfer, das macht jetzt 2W6 automatische Treffer….

Ein Vorteil ist natürlich das Ausleben des Hobbys in Bereich der Umbauten. Abweichen vom Bauplan, verwenden von Fremdherstellerbits, der Kreativität freiem Lauf lassen.

Ein weiterer Vorteil vom proxen ist, dass hohe finanzielle Aufwendungen für WYSIWYG-Anschaffungen hinausgezögert werden bzw. umgangen werden können. Nicht jeder kann sich eine Box mehrfach leisten um die gewünschte Bewaffnung  oder das entsprechende Modell darstellen zu können.

„Dann sollen sie halt was spielen, was man sich leisten kann“, habe ich auf die vorherige Aussage in den Diskussionen vernommen. Ich finde eher, dass sich ein WYSIWYG-Fanatiker dann nicht mit „Proxern“ zum Spielen verabreden und lieber in seinem Lager bleiben sollte. Es gibt nämlich auch Spieler die des Spaßes halber spielen und deshalb das mit dem WYSIWYG nicht ganz zu ernst nehmen und mal ein Auge zudrücken. Gerade Jugendliche mit wenig Taschengeld, können sich WYSIWYG Armeen nicht immer wirklich leisten (Systemabhängig).

Was überwiegend zum Thema proxen geäußert wurde war, dass das proxen zu Testzwecken absolut legitim ist, die Mehrheit dies allerdings als Übergangslösung sieht bis die nötige Anschaffung getätigt wurde.

Womit wir beim Thema Verfügbarkeit angelangt wären, denn nicht alle Einheiten- und Waffenoptionen sind immer verfügbar. Manche werden nicht mehr produziert und werden zu Mondpreisen auf Tausch- und Handelsplattformen angeboten. Dann gibt es wiederum mäßig ausgestattete Gussrahmen um alle möglichen Ausrüstungsoptionen abzubilden, bis hin zur aktuellen Lieferbarkeit (Reproduktion). Manchmal möchte man WYSIWYG aufstellen, muss allerdings leider proxen, weil man es aktuell nicht ändern kann

Unterschiedliche Lager, unterschiedliche Meinungen

Aus den Vor- und Nachteilen konnte man schon die unterschiedlichen Lager und deren Meinungen herausfiltern:

Zum einen haben wir den „WYSIWYG only“ Spieler, der keine Proxies jeglicher Art erlaubt. Meistens finden wir diese Gattung im Bereich der Turnierspieler wieder, da es auf Turnieren auch einfach für klare Regelungen sorgt und Missverständnissen vorbeugt.

Dann gibt es die WYSIWYG- Spieler, die gerne mal das eine oder andere Auge zudrücken. Man stelle so gut es geht seine Armeen WYSIWYG zusammen und mit vorherigen Absprachen, kann man eine entspannte Schlacht schlagen. Jedoch dürften sich dann die Nachfragen häufen a la: „Was hatten die Primaris noch mal für ne Waffe dabei?“

Dann gibt es natürlich noch das Lager derjenigen, die einfach nur spielen wollen. Egal ob sie etwas proxen um auszuprobieren oder über den finanziellen Engpass oder Lieferschwierigkeiten hinwegzukommen. Mit Absprachen und nettem drauf hinweisen, kann man auch lustige und spannende Partien austragen.

Diese drei grob beschriebenen Lager haben natürlich noch weitere Abstufungen, die den Blog-Beitrag allerdings sprengen würden.

Magnetisieren

Eine gute Art Einheiten die Flexibilität an Ausrüstungen garantiert zugänglich zu machen ist das doch teils aufwendige und kostspielige magnetisieren der Miniaturen (Waffenarme usw.). Neben den Umbauten muss der Spieler auch die zusätzliche Investition in geeignete Magnete tragen und zusätzliche Teile bemalen. Allerdings hat man dann keine Probleme alle Optionen auszunutzen und muss nicht zwingend das Produkt mehrfach erwerben.

Welche Systeme sind denn überhaupt davon betroffen bzw. bei welchen Systemen gibt es die meisten Diskussionen?

Ja bin ich denn überhaupt betroffen von der Diskussion?

In den ganzen WYSIWYG Diskussionen fällt eigentlich immer ein Name: Games Workshop. Das liegt unter anderem daran, dass Games Workshop im TableTop Bereich der Branchenprimus mit den weit verbreiteten Systemen ist. Allerdings sind Age of Sigmar und vor allem Warhammer 40k dafür bekannt Einheiten und Fahrzeuge aufzuweisen mit unterschiedlichsten Ausrüstungsoptionen. So ist es wenig verwunderlich, dass diese Systeme den Großteil solcher Diskussionen einnehmen.

Aber was ist mit den anderen Systemen? Welche sind betroffen? Generell kann man sagen dass Systeme von WYSIWYG betroffen sind, welche mehrere Ausrüstungsoptionen haben.

Warhammer 40k und Age of Sigmar wurden schon genannt. Zu Warmashine kann ich selber nichts sagen, da ich das System nie gespielt habe und nur vom Namen her kenne. Allerdings denke ich fallen Dungeon Crawler (Die ich als halbe TableTops ansehe) wie z.B. Imperial Assault, Zombicide, Massive Darkness aus der WYSIWYG Diskussion raus, da man massig unterschiedliche Ausrüstungskärtchen zur Verfügung hat und auch im Spiel Waffen und Ausrüstungen wechseln kann. Das würde ja für jede Ausrüstungsmöglichkeit einer passenden mini oder steckbare/magnetisierte Miniatur mit der passenden Anzahl an Waffen- und Ausrüstungsbits voraussetzen. Mäh!

Ein TableTop Spiel wie Mantics The Walking Dead : All Out War lässt sich ebenfalls nicht WYSIWYG darstellen. Klar kann die Mini eine Remington in der Hand tragen, aber wie stell ich WYSIWYG den aufsteckbaren Silencer (Schalldämpfer) dar?. Solche Syteme leben von ihren Ausrüstungskarten und der Offenlegung der Ausrüstungsinformationen.

Infinity ist ein System mit einer Community, die WYSIWYG auch gar nicht so eng sehen und ernst nehmen darf/kann. Denn hier haben wir für alle möglichen Ausrüstungsoptionen der Einheiten/Minis gar nicht alle Varianten käuflich zu erwerben. Hier ist man auf das proxen oder Umbauten angewiesen.

Auch X-Wing (Was ja weniger als TableTop bezeichnet werdne kann) lebt von Ausrüstungskarten. Die Modelle an sich anhand der Ausrüstungskarten optisch zu modifizieren ist schier unmöglich anhand der Ausrüstungsvielfalt.

Wie ICH das sehe

Ich mag es, wenn zwei (oder mehr) voll bemalte WYSIWYG Armeen sich auf dem Schlachtfeld gegenübertreten. Ja, das ist auch das Ziel, auf das ich hinarbeite bei meiner Death Guard.

Nun habe ich selber aktuell das Problem, dass die Minis aus der Dark Imperium Box keine alternativen Waffenoptionen hatten und ich nun zwei Modelle mit dem von mir ungeliebten Plasmawerfer besitze, dich ich gerne als Melter deklariere. Jetzt kommt es auf meinem gegenüber an: akzeptiert er die Proxies, oder muss ich Plasmawerfer spielen. Spiele ich danach noch gegen ihn oder spiel ich lieber gegen Leute die mir das proxen erlauben? Baue ich die Mini noch mal um obwohl ich sie bereits bemalt habe?

Bleiben wir mal bei diesem Fall. In meinem Freundes- und Spielerkreis sind so leichte Proxies kein Problem. Auch wenn ich mal eine Einheit testen will, bevor ich sie mir kaufe, kann ich sie mal proxen. Generell versucht allerdings jeder seine Armee WYSIWYG aufzubauen.

Diese beiden Modelle werde ich je nach Gegner als Plasmawerfer oder Melter spielen, sie allerdings auf kurz oder lang umbauen, obwohl sie schon bemalt sind.

Ich habe generell auch nichts gegen Proxies, sofern es sich im Rahmen hält. Also gegen Eldar Minis zu spielen und Orks vor mir zu haben, das wäre mir auf die Dauer auch zu anstrengend dauernd umdenken zu müssen.

Fazit

Im Prinzip ist „Absprache“ das große Zauberwort. Sprecht euch vorher hab, was ihr erlaubt und was nicht um Spielabbrüche und schlechte Laune zu vermeiden. Diskutiert über Pro und Contra, helft euch gegenseitig, aber bitte hatet nicht und denkt immer dran, dass nicht alle in derselben Lage sind und nicht dieselben Absichten im Hobby hat wie ihr. Wenn ihr damit nicht umgehen könnt, sucht euch Gleichgesinnte.

Das wichtigste ist doch der Spaß am Hobby. Versaut ihn euch nicht.

Fragen, Anregungen, Kritik? Wollt ihr eure Meinung kundtun? Nutzt die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, vielleicht entsteht so eine angeregte Diskussion und Meinungsaustausch.

SicRat

Über den Autor SicRat

Gründer / Admin von www.tablepott.de und des Blogs. Redakteur und Hobbyist. Systeme: | Freebooters Fate Mannschaften: Bruderschaft, OLHG, Piraten | | X-Wing: Rebellen, Imperium, Scum | Age of Sigmar: Khorne Bloodbound | WH40k: Death Guard | The Walking Dead: All Out War

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